abenteuerreisen-moderner-abenteuerurlaub.htm
Reisebericht eines etwas anderen Abendteuerurlaubs.
Ein Jahr Arbeit war zu Ende. Ich hatte mir als Belohnung vorgenommen, endlich einen Traum wahr zu machen. Ein Abenteuer wollte ich erleben, ein wirkliches Abenteuer, so wie es sich in meinem Kopf aus den Büchern lang vergangener Jugendzeiten zusammensetzte. Aber gab es das heute überhaupt noch? Waren die heutigen Abenteuer nicht eher der siegreiche Kampf um einen Parkplatz oder die Auseinandersetzung mit dem Kaffeeautomaten im Büro? Nein, es musste sie noch geben, die wahren Abenteuer, ich wollte es so. Ich wollte und musste ein Abenteuer erleben. Lange schon hatte ich darüber nachgedacht. Sollte ich mit dem Flugzeug ans andere Ende der Erde fliegen und mich dort durch den Dschungel kämpfen? Sollte ich mit einem Segelboot alleine über den Pazifik fahren und mich den hungrigen Haifischen entgegenstellen? Sollte ich mit einem ausgedienten Lastwagen durch die Sahara reisen? Oder doch lieber mit dem Motorrad die Route 66 unter die Räder nehmen?
Keine dieser Ideen stellte mich wirklich zufrieden. Zu viele Berichte hatte ich über all das schon gelesen. Schon zu viele vor mir hatten dasselbe getan. War es dann überhaupt noch ein Abenteuer?
Also beschloss ich etwas ganz anderes zu tun. Das was für viele Alltag war, würde für mich zum Abenteuer werden.
Ein alter Schlafsack war alles was ich mitnahm. So machte ich mich auf den Weg mit nichts. Ich wollte sehen, wohin der Weg führte, was für Abenteuer er für mich bereithielt, ob und wie ich fähig war, zu überleben.
So stellte ich mich mit meinem Schlafsack an den nächsten Autobahnzubringer, hielt den Daumen in die Luft und wartete. Als die ersten Fahrzeuge an mir vorbeifuhren, ohne mich auch nur zu beachten, als dann noch ganz langsam aber unübersehbar Regenwolken aufzogen, überlegte ich das erste Mal, ob ich nicht doch lieber beim Reisebüro eine Woche Rafting hätte buchen sollen, als mich einer solchen Verrücktheit hinzugeben. Aber bevor ich diese Gedanken vertiefen konnte, hielt ein mächtiger roter Truck vor mir, die Tür ging auf und ich kletterte umständlich diesen ungewohnten Einstieg hoch.
Wohin ich wollte, fragte mich der Fahrer. Egal. Einfach mit. Er gab sich zufrieden mit meiner kurzen Antwort, war selber nicht sehr redselig und so fuhren wir stundenlang ohne Worte über die Autobahn. Dann, es dunkelte bereits, kamen wir an eine Grenze. Der Truck stellte sich hinten an einer riesigen Schlange anderer Trucks an, wie es aussah würde das dauern und so nahm ich meinen Schlafsack und machte mich davon.
Langsam hatte ich Hunger, aber kein Geld und nichts zu essen und die Dunkelheit war auch nicht mehr weit. Wieder zweifelte ich an meiner Idee, aber es war zu spät. Vorsichtshalber hatte ich auch keine Bankkarte mitgenommen, so dass ich mir nun dringend etwas überlegen musste. Auf der Autobahn weiterzugehen machte keinen Sinn, als zog ich querfeldein in Richtung Abenteuer. Und dieses wartete auch bereits in Gestalt mehrerer Zollbeamten auf mich. Ich hatte ohne es zu wissen die Grenze überquert und war nun in eine Drogenkontrolle geraten. Noch mit der Büroblässe im Gesicht und in frischen Kleidern, da ich ja erst seit wenigen Stunden unterwegs war, erschien ich mit meinem alten Schlafsack und sonst nichts doch sehr verdächtig. Und so fand ich mich schneller als ich denken konnte mit gespreizten Beinen an einem Baum stehend, eine große Hundeschnauze in gefährlicher Nähe und wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Aber ich hatte nicht nur nichts bei mir, ich hatte auch keine Drogen bei mir und so ließen sie wieder von mir ab. Wollten nun aber wissen, was ich eigentlich in dieser kleinen Wildnis zu suchen hätte, bei einbrechender Dunkelheit und weitab jeglicher Zivilisation.
Meine Erklärung erschien ihnen seltsam. Ob sie mir glaubten oder nicht konnte ich nicht wirklich beurteilen, sie ließen mich stehen und ich war allein inmitten eines grünen Nichts. Warum hatten sie mich nicht einfach mitgenommen, mir wenigstens eine Zelle für die Nacht überlassen und etwas zu essen? Nun stand ich da und wusste nicht weiter. In meinen Büchern waren Abenteuer immer spannend gewesen,. Ich hatte dabei nie einen leeren Magen gehabt und es war mir nie kalt geworden. Irgendwie musste ich die Nacht herumbringen, mir graute schon vor den Abenteuern dieser Nacht, die ich nun mit leerem Magen zu bestehen hatte. Unter einem schützenden Baum richtete ich mich mit meinem Schlafsack ein, ängstlich, nicht wirklich mutig, wie es sich für einen Abenteurer gehörte, hatte ich mir noch einen großen Stock gesucht, für wen oder was auch immer. Auf jeden Fall ein gutes Gefühl. Und so wollte ich warten, was geschehen würde.
Aber plötzlich blickte ich in die aufgehende Sonne. Ich musste wohl eingeschlafen sein und alle lauernden Gefahren verschlafen haben. Der Rücken tat weh, ich hatte Hunger, alles in mir schrie nach Kaffee, aber der Blick in die aufgehende Sonne verhieß Gutes. Und so wollte ich noch einen Tag weiterreisen auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Und heute Abend würde ich überlegen, ob ich nicht doch noch eine Woche Segeln gehen sollte, mit einer Mannschaft an Bord und guter Verpflegung.